Die Schlangeninsel

Vor der Küste Brasiliens findet sich eine malerische Insel, unberührt, bis auf einen kleinen Leuchtturm und das – allerdings verlassene Heim des Leuchtturmwärters und seiner Familie. Der Wald bedeckt den größten Teil der Insel, bis auf die paradiesischen Strände… Naja, kein Sand, dafür Felsen, aber hat auch was.

Queimada Grande
Queimada Grande | photo: (cc-by) Prefeitura Municipal de Itanhaém

Wer ahnt schon, daß der Boden dieser Insel von Schlangen nur so wimmelt, präziser gesagt, dort lebt die fröhliche, goldene Lanzenotter.

Die Insel-Lanzenotter

Die Lanzenotter? Eine? Ja, pro Quadratmeter vielleicht. Ok, pro Quadratmeter ist möglicherweise etwas übertrieben, aber dennoch – Man sagt, Ilha de Queimada Grande habe die dichteste Population von Schlangen weltweit.

Horrorgeschichten berichten von Fischern, die man tot in ihren Booten aufgefunden hat, und von der Familie des Leuchtturmwärters, die mitten in der Nacht vor einer Invasion der Schlangen in den Wald geflohen ist. Was dort auf sie gewartet hat, brauchen wir nicht wohl nicht näher erläutern, hm?

Und nicht irgendwelche Schlangen, sondern eine besondere Art der Lanzenotter, die nur auf dieser paradiesischen Insel lebt. Da sie sich vorwiegend von Vögeln ernährt, braucht sie ein schnell wirkendes, starkes Gift. Denn was nutzt es, wenn man einen Vogel vergiftet und der noch drei Kilometer fliegen kann, bevor er lecker wird. Das Gift der Insel-Lanzenotter stört die Blutgerinnung und löst das Muskelgewebe auf. Beim Menschen wirkt es allerdings nicht so schnell wie bei einem Inselvogel, es können durchaus Stunden vergehen, bis man an dem Biss der Lanzenotter stirbt.

Wer jetzt sagt puh, Glück gehabt – bedenke:

  1. Du bist auf einer Insel mitten im Nirgendwo
  2. Du bist wahrscheinlich alleine, denn die Schlangeninsel ist für Besucher gesperrt
  3. Da die Schlange sonst nirgends wohnt als eben dort, wurde noch kein verlässliches Serum entwickelt
  4. Und dir fault langsam das Fleisch ab

Glück? Ok, ich würde eine Kobra vorziehen. Oder naja, doch besser eine Ringelnatter.

Die dichteste Population von Schlangen weltweit

Also – Brasilien hat das Betreten der Insel untersagt. Aber wohl kaum um die Schlangen zu schützen, viel eher um Tierfreunden und Actiontouristen die Haut zu retten.
Die Besiedlungsdichte durch unsere neuesten Freunde geht Schätzungen zufolge von einer Schlange pro Quadratmeter, bis hin zu fünf Schlangen pro Quadratmeter. Ich meine Hallo?

Ganz glauben kann ich das ja nicht, aber den Berichten zufolge haben die Schlangenforscher in einem verlassenen, laubbedeckten Swimmingpool eines dieser knuffigen Tierchen gefunden. Und wie Schlangenforscher das nunmal machen, stecken sie die Schlange in ein Rohr, um sie ordentlich vermessen zu können. Gerade bei der Arbeit, meinte plötzlich ein Assistent “Holla, da is ja noch eine!”, und noch eine und noch eine.
Sagst du klar, in dem alten Becken ist Humus, Laub, aber noch keine Bäume. Da scheint die Sonne hin und alle Schlangen versammeln sich wie die Bayern auf Mallorca.

Um also die Schlangendichte auf Queimada Grande herauszufinden, wurde eine Wegstrecke abgesteckt, die ein Forscher suchenderweise abgegangen ist. Berichten zufolge, ist er alle 5 Minuten auf eine Lanzenotter gestoßen. Bedenkt man, daß die Augen eines Menschen vergleichsweise schlecht sind, die Schlange indes hervorragend getarnt im Laub ihr Schläfchen hält und vom Suchenden eher weniger gerne entdeckt wird, hat er Schätzungen zufolge 20-30% der Tiere gefunden.

Indiana Jones in the snake pit | photo: (©) Steven Spielberg
Indiana Jones in the snake pit | photo: (©) Steven Spielberg

Wie war das mit den Fischern?

Ahja, Schlangen sind ja kleine Tiere, und ein gestandener Fischersmann scheut sich nicht davor, mal eben an Land zu gehen und ein paar Bananen zu pflücken. Oder was auch immer. Gefunden wurden sie tot auf treibenden Fischkuttern, alles voller Blut. Wir erinnern uns: Das Gift der Insel-Lanzenotter hemmt die Blutgerinnung und erlaubt ihm frei zu fließen. Angeblich sind bis dato 11 Fischer auf diese Weise gestorben.

Und die Familie des Leuchtturmwärters?

Die Geschichte besagt eines Nachts glitten dutzende Schlangen durch die Fenster ins Innere des Leuchtturms, die Familie geriet in Panik und wollte Schutz im Wald suchen. Gebissen von den dort von den Ästen hängenden, auf dem Boden liegenden, auf den Felsen ruhenden und zwischen den Büschen lauernden Reptilien, überlebte niemand. Ein Schiff der Küstenwache hat sie quer im Wald verstreut gefunden, als sie Nachschub liefern wollten und außer Schlangen niemand zuhause war.

Quellen und weiterführende Links