Purpur

Echtes Purpur ist seit Menschengedenken der teuerste Farbstoff der Welt und wahrscheinlich der Grund, warum Rot bis heute als die königliche Farbe der Macht gilt.

Die Farbe Purpur, in einem komplizierten Verfahren aus der Purpurschnecke gewonnen, gilt von alters her als der teuerste Farbstoff der Welt. Wenn aus der Purpurschnecke auch eine Vielzahl verschiedener Farben gewonnen werden konnte (je nach Fanggebiet, Spezies und Geschlecht der Tiere bzw. Verarbeitung der Küpe), war die Herstellung eines lichtechten und feurigen Rot wohl die beliebteste Verwendung des kaiserlichen Purpur.
Darüber hinaus ließen sich über Lila, Violett und Grün verschiedene Farbtöne herstellen - bis hin zu einem samtigen Nachtschwarz, welches wahrscheinlich die Krone der Färberskunst darstellte.

Titelfoto: Purpurschnecken (Hexaplex trunculus) (cc-by-sa) Hans Hillewaert

Phönizien

Der Name Purpur leitet sich vom altgriechischen πορφύρα (porphyra) ab. Trotzdem dürften es die alten Phönizier gewesen sein, die in der Stadt Tyrus (im heutigen Libanon) erstmals professionell mit Purpur färbten.

Natürlich gibt es dazu eine Entstehungslegende, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
Der Sage nach lief der Hund des phönizischen Gottes Melkarth, der mit dem griechischen Herakles ident sein dürfte, am Strand entlang und fraß eine Schnecke (Hunde fressen ja bekanntlich alles). Jedenfalls verfärbte sich seine Schnauze nach dem Festmahl purpurn. Nachdem Melkarth die Farbe auf der Hundeschnauze nicht mehr abwaschen konnte, hat er kurzerhand ein Kleid mit dem Farbstoff gefärbt um es seiner Geliebten, der Nymphe Tyros, zum Geschenk zu machen. Tyros dürfte recht erfreut über das purpurne Kleid gewesen sein, immerhin war sie die erste Frau der Welt in einem purpurroten Kleid.

Biblisch

In der Bibel wird Purpur im Buch Mose erwähnt, wo die Vorhänge der sogenannten Stiftshütte in rotem und blauem Purpur gehalten waren. Den purpurroten Mantel, den Jesus bei der Kreuzigung zum Hohn umgelegt bekommen haben soll, halte ich aber für Chronistenlatein. Matthäus nennt den Mantel übrigens scharlachrot, was schon plausibler klingt.

Griechenland

Die Phönizier waren bekanntlich DAS antike Handelsvolk, daher breitete sich die Kenntnis von der Purpurfärberei und natürlich die Farbe selbst bzw. damit gefärbte Stoffe rasch in der Welt der antiken Hochkulturen aus. Die Hopliten beispielsweise, die griechischen Eliteinfanteristen welche durch ihre Phalanxtaktiken den meisten Gegnern haushoch überlegen waren, trugen Kleidung die mit reinem Purpur gefärbt war.
Das hatte mehrere Vorteile: Erstens wurde Macht und Stärke durch teure Kleidung in Signalfarbe demonstriert. In einem Zeitalter, wo das gegenseitige Abschlachten noch nicht so im Vordergrund stand wie in späteren Epochen, waren solche Statussymbole in einer Armee oft wichtiger als tatsächliche Kampfkraft. Und zweitens verbarg der dunkle, rote Stoff ausgezeichnet Blut und Wunden. Das stärkte die Moral der befreundeten Einheiten und schwächte zugleich die Gegnerische. Außerdem war in vielen griechischen Kriegsflotten das Segel des Flaggschiffes in purpurner Farbe gehalten.

In der Ilias schreibt Homer, daß der trojanische Prinz und Held Hektor in ein purpurnes Leichentuch gehüllt bestattet wurde, nachdem er von Achilles getötet worden war.

Achilles schleift Hektor um die Stadt

Rom

Römische Patrizier schienen so vernarrt in die begehrte Farbe gewesen zu sein, daß die Kaiser letztendlich den Gebrauch von Purpur auf die höchsten Schichten beschränkten. Der Kaiser selbst trug angeblich einen purpurnen Mantel (siehe Asterix und Obelix), die Senatoren und Equites mussten sich mit schmalen Purpurstreifen an ihren Togen begnügen.

Viele der römischen Legionäre trugen ebenfalls rote Tuniken, allerdings sicher nicht mit Purpur gefärbt. Wahrscheinlich wurden die Tuniken, sowie auch die Mäntel (Paenula), die oftmals darüber getragen wurden, mit Krapp gefärbt, dessen früheste Verwendung aus Ausgrabungen im Grab von Pharao Tutenchamun ca. 1337 v.C. belegt ist.

Mit dem Zerfall des römischen Reiches ist die Bedeutung und Verwendung von Purpur zurückgegangen. Ostrom verwendete den Farbstoff zwar noch weiter, aber für den Westen war die Purpurzeit vorbei.

Mittelalter

Im farbenfrohen Mittelalter war Rot dem Adel vorbehalten, mit einigen Ausnahmen. So waren Geistliche (Kardinalsrot, Legatenpurpur), Richter und Scharfrichter manchmal in Rot gekleidet, um ihre Macht über Leben und Tod zu zeigen.
Erst mit der französischen Revolution wurde der Dresscode etwas aufgelockert, und auch Bürger durften rote Kleidung tragen (wenn sie sie sich denn leisten konnten). Als die wirtschaftliche Macht des Adels langsam durch das erstarkende Bürgertum ersetzt wurde, war Rot auch als Statussymbol bei wohlhabenden Bürgern beliebt.

Auch deutsche Kaiser schätzten die Königsfarbe Rot, und bald auch Kardinäle (ab 1468), auch wenn man manchmal lieber auf Krapp zur Färbung zurückgegriffen hat. Aber die Krapp brachte nur selten ein feuriges, dauerhaftes Rot hervor, bis das Rezept für Türkischrot von aus dem Orient eingewanderten Färbern mitgebracht wurde.

Möglicherweise waren die Gewänder damals auch scharlachrot, also weder mit Krapp noch mit Purpur, sondern mit aus Schildläusen hergestelltem Cochenille gefärbt. Wir kennen heute Cochenille von Kosmetika wie Lippenstift und dem allseits (mehr oder weniger) beliebten Campari. Wie auch immer, Rot und Violett sind im Kreise der liturgischen Farben ein bedeutender Posten. Dasselbe gilt auch für diverse Königsmäntel, die oft als purpurn bezeichnet werden.

Sogar der Krönungsmantel des Heiligen Römischen Reiches, der heute in der Wiener Hofburg aufbewahrt wird, besteht aus mit indischem Rotholz und Kermes rot gefärbtem Samit.

Krönungsmantel

Neuzeit

Die Verbesserung der Produktionsverfahren roter Textilfarben erlaubte es, die Soldaten in leuchtend rote Uniformen zu stecken, die sich bis ins 19. Jhdt. erhalten haben. Mounties in Kanada tragen heute noch die traditionelle, rote Kluft. Die Verwendung von Purpurschnecken ist weitestgehend verschwunden.

Mounties, Musical Ride
Musical Ride (cc-by) Andrea_44

Ursprung und Herstellung

Die Purpurschnecke

Im Mittelmeer, am Meeresboden, da lebt die Purpurschnecke und ernährt sich teils räuberisch von anderen Meeresbewohnern, teils auch von Aas. Finden sie eine andere Muschel oder Schnecke, bohren sie sie mit der Radula an, wenn ich mich richtig erinnere ist das die sehr rauhe Zunge der Schnecke, wobei sie eine säureabsondernde Drüse am Fuß zu Hilfe nehmen. Es fallen die Herkuleskeule (Haustellum brandaris) und die eigentliche Purpurschnecke (Hexaplex trunculus) in diese Kategorie. Beide waren früher unter den Gattungsnamen Murex bzw. Purpura zusammengefasst.

Purpurschnecken
Purpurschnecken (Hexaplex trunculus) | Foto: (cc-by-sa) Hans Hillewaert

Heute kennen wir zahlreiche Methoden und Normen, um einen exakten Farbton zu bestimmen. RAL 7016 beispielsweise ist Anthrazitgrau und der exakte Farbton ist genau definiert.
In der Antike und im Mittelalter waren solche Definitionen noch nicht gebräuchlich und Farbtöne wurden eher nach ihrer Herkunft benannt, in diesem Falle das Sekret von Purpurschnecken. Deshalb ist es uns heute nicht mehr möglich aus alten Texten den tatsächlichen Farbton damaliger Gewänder abzuleiten.

Der Farbstoff Purpur

Aus zwölftausend Purpurschnecken lassen sich gerade mal 1,5 Gramm Farbstoff herstellen. Da wundert es mich nicht, daß ich erst neulich den Purpur–Farbstoff für 2872.00 Euro pro Gramm gesehen habe. Damit ist Purpur einer der teuersten Farbstoffe der Welt. Dazu kommt noch der Aufwand der Herstellung.

Der reine, tyrische Purpurfarbstoff kommt heute fast ausschließlich nur noch bei der Restauration von Museumsstücken zum Einsatz.

Die farbgebende Komponente 6,6–Dibromindigo wurde erst im 20. Jahrhundert entdeckt. Heute sind wir zwar in der Lage, den Farbstoff synthetisch im Labor herzustellen, allerdings ist die Prozedur mit erheblichem Aufwand verbunden.

Die Purpurschnecke sondert in der Hypobranchialdrüse, die in der Atemhöhle neben dem Mastdarm liegt, eine gelbliche Flüssigkeit ab. Dieses Sekret enthält eine Vorstufe des Farbstoffes 6,6–Dibromindigo, der sich im Dunkeln nicht weiterentwickelt, aber im Sonnenlicht durch Enzyme grün, dann blau, schließlich purpurn wird. Dabei gibt es einen ekelhaften und langanhaltenden Geruch ab.

Man kann den farbengebenden Stoff aus den gepulverten Purpurschnecken durch Ether und Alkohol extrahieren. Aus der damit erhaltenen, goldgelben Lösung scheidet sich der purpurne Farbstoff als kristallines Pulver ab, welches in siedendem Anilin löslich ist, nicht aber in Wasser, Ether oder Alkohol.

Alte Methoden der Färbung

Das jetzt hier alles wiederzugeben ist ein Fall für einen anderen Artikel, deswegen eine Kurzfassung: Im Allgemeinen verwendet man entweder die ganze Schnecke, fein zerrieben, oder nur die Drüsen. Alte Rezepte erwähnen Salz zur Konservierung, sonst kommen die Fliegen. Und Urin, um ein saures Milieu zu bekommen. Dann wird das Ganze in einem Blei oder Zinntopf langsam (!) einreduziert, sprich bei unter 50 Grad und mit Öl bedeckt, damit kein Sauerstoff drankommt. Sobald das weiße bis gelbliche Zeugs die erste Farbveränderung aufweist, heissts Licht aus bis ein eingedickter Brei entsteht. Frisch gewaschene, noch feuchte Wolle wird etwa 5 Stunden in den Brei eingelegt. Wird die Wolle dann in die Sonne gelegt, kann man langsam die Farbveränderung beobachten. Zumindest wenn man es irgendwie schafft, sich die Nase zuzustopfen, denn das Ganze stinkt fürchterlich.

Purpur entwickelt seine Farbe primär durch Enzyme, die im Sonnenlicht aktiv werden. Manche Bestandteile des Farbstoffes reagieren auch auf Sauerstoff, somit unterscheidet sich der letztendlich erreichte Farbton je nach Herkunft des Sekrets, der Lagerung, des verwendeten Textils und der Verarbeitung. Sicher ist nur, frisches Purpur hat einen grünlichen Farbton, der mit der Zeit in hellblau und indigoblau übergeht. Verstreicht weitere Zeit, erhöht sich der Rotanteil, was zu einem satten Violett oder zu feurigem Rot führt. Mit Purpur war es auch möglich, Stoffe nachtschwarz zu färben.


Rot | Blau | Gelb | Grün | Lila | Rosa | Braun | Orange | Weiß | Grau | Schwarz

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