Hämatit

Hämatit ist gemeinsam mit Pyrit und Magnetit ein eigentlich recht häufig vorkommendes Mineral, das zur Gewinnung von Eisen herangezogen wird.

Glossar

Synonyme: Blutstein, Eisenglanz, Specularit, Roteisenstein und Roteisenerz.

Hämatit rose

Titelfoto: Hämatitrose aus Miguel Burnier (São Julião), Ouro Preto, Minas Gerais in der südöstlichen Region Brasiliens. CC-By-SA Didier Descouens

Hämatit ist ein Mineral aus der Gruppe der Eisenoxide, genaugenommen Fe2O3, also zwei Eisenatome oxidiert mit 3 Sauerstoffatomen. Das Mineral kristallisiert gerne im sogenannten trigonalen Kristallsystem, sprich es bildet schöne, geometrische Formen aus. Es kann aber auch zu derben, traubenförmigen Mineralaggregaten geformt vorkommen.

Hämatit ist gemeinsam mit Pyrit und Magnetit ein eigentlich recht häufig vorkommendes Mineral, das zur Gewinnung von Eisen herangezogen wird. Man kann also davon ausgehen dass ein Teil deines Autos beispielsweise einmal als Hämatite angefangen hat. Eine weitere Verwendung findet das Erz bei der Herstellung des Pigmentes Rötel.

Frisch aus der Erde gebrochener Hämatit hat seinen charakteristischen dunklen Metallschimmer, verliert diesen allerdings und bildet mit der Zeit einen buntfarbigen Schimmer aus. Durch Verwitterung kann auch eine matte, rötliche Oxidschicht entstehen.

Etymologie des Hämatit

Wie die meisten von euch bereits erkannt haben werden, ist Hämatit einfach nur die altgriechische Version des Namens Blutstein und leitet sich von αἷμα (haima - Blut) ab. Hier findet sich übrigens eine sprachliche Falle, denn im Englischen steht der Name bloodstone nicht für den Hämatit, sondern für den Heliotrop, der auf Deutsch Blutjaspis genannt wird.

Der Name "hämatitis" taucht erstmals 315 v.Chr. in Theophrasts Buch "Über Steine" auf. Theophrastos von Eresos war Philosoph, Naturforscher und ein bedeutender Schüler des Aristoteles.

Der schwarz-silbern glänzende Stein ist in sehr dünnen Schichten blutrot durchscheinend, hinterlässt auf unglasierter Keramik einen roten Strich und färbt das Kühlwasser des Edelsteinschleifers blutrot.

Der Name Specularit bedeutet übersetzt Spiegelstein, denn aufgrund seines Glanzes wurde Hämatit in der Antike auf Hochglanz poliert und als Spiegel verwendet.

Hämatit als Schmuckstein

Bereits seit der Antike wird Blutstein als Schmuckstein geschnitzt, graviert und poliert. Von den alten Babyloniern und aus dem antiken Ägypten finden wir etliche erhaltene Darstellungen von Göttern und ihren Geschichten. Wir verwenden Hämatit hauptsächlich für "männlichen" Schmuck. Anhänger, Ringe und Armbänder mit Hämatit sind schwarz-silbern und verkörpern einerseits Eleganz und Würde, vermitteln aber auch die Unbeugsamkeit und Härte des Eisens.

Verwendung als Rötel

Wie wir in unseren Artikeln über die historischen und mythischen Qualitäten der Farbe Rot nachlesen können, war roter Ocker - auch Rötel genannt - bereits in der Steinzeit ein hochbegehrtes Pigment für allerlei Kunst- und Kulthandlungen. Belegt sind Funde von vor über 200.000 Jahren und verwendet wird Rötel bis heute - wenn auch selten, da die Zeichnungen leicht verweischen und wie eine Kohlezeichnung fixiert werden müssen. Leonardo Da Vincis berühmtes Selbstbildnis ist beispielsweise mit Rötelstift gemalt.

Grundsätzlich ist Hämatitpigment ungiftig und auch heute noch wichtig für viele Handlungen. Die Himba, eine Volksgruppe aus Namibia beispielsweise, verwendet das Mineral zur Körperpflege.

Als Künstlerfarbe ist Rötel woh am bekanntesten in seiner gepressten Form als Rötelstift. Rötelstifte sind weich, farbintensiv und werden primär für Strichzeichnungen und Skizzen verwendet. Roter Bolus, eine Art Rötel mit hohen Anteilen von Ton, bildet einen idealen Untergrund für Vergoldungen. Der auch Bolus rubra genannte Stoff wurde vorwiegend aus Armenien importiert und in der Tafelmalerei als Grundierung für die Vergoldung eingesetzt.

Andere Farbstoffe, die auf Hämatit als roten Farbgeber zurückgreifen sind roter Ocker, Caput mortuum, Terra di Pozzuoli, Venezianischrot, Englischrot und Pompejanischrot.

Weitere Verwendung des Pigments: Teppichknüpferei, Keramikbemalung und Retusche in der Analogfotografie.

Hämatin

Unter Hämatin versteht man gesintertes und unter hohem Druck zusammengepresstes Eisenoxid. Chemisch und physikalisch unterscheidet sich Hämatin kaum von Hämatit, ist aber menschengemacht und muss als Hämatin gekennzeichnet werden.

Legendäre Heilkräfte und magische Eigenschaften von Hämatit

In der antiken Welt von Babylon und im alten Ägypten wurden Anhänger, Rollsiegel oder Gemmen mit kleinen Götterfiguren und Szenen aus der Götterwelt verwendet.

In der Esoterik wird Hämatit durch den im Oxid gebundenen Sauerstoff, sowie das rote Schleifwasser primär als Heilstein bei Bluterkrankungen gesehen. Man unterscheidet männliche und weibliche Steine, wobei die bunt schillernden Exemplare als weiblich gesehen werden. Der gebundene Sauerstoff wird dem fernöstlichen Yang-Prinzip zugeordnet und gibt dem Stein eine kriegerische, aggressive Note. Eine Kette aus kleinen Hämatitkugeln soll bei chronisch kalten Händen und Füßen Wirkung zeigen.

Alte Kulturen verwendeten den Blutstein sowohl als Schmuck für ihre Krieger, sowie als Amulette für die Heiler. Den Krieger unterstützt das Mineral dabei, aggressiver vorzugehen und auch Blutverlust besser hinnehmen zu können. Die Heiler mochten Hämatit als magische Unterstützung bei der Behandlung blutender Wunden.

Je nach Quelle wird der Blutstein entweder dem Pluto oder dem Mars zugeordnet - bei den Tierkreiszeichen liegt das Erz nahe an Widder bzw. Skorpion.

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