Die Problemstellung
Das Schiff, auf dem Theseus mit den Jünglingen losgesegelt und auch sicher zurückgekehrt ist, eine Galeere mit 30 Rudern, wurde von den Athenern bis zur Zeit des Demetrios Phaleros aufbewahrt. Von Zeit zu Zeit entfernten sie daraus die alten Planken und ersetzten sie durch frisches Holz. Auf die Weise wurde das Schiff vor dem Verfall bewahrt.Würden die Matrosen ihr Schiff in Form einer Mühle wiedererkennen?
Die Galeere wurde daher für die Philosophen zu einer ständigen Veranschaulichung zur Streitfrage der Weiterentwicklung; denn die Einen behaupteten, das Fahrzeug sei nach wie vor Dasselbe geblieben, die anderen hingegen, es habe eine neue Identität erhalten.
Der Übergang ist Vage.
Ich wollte die Vagheitsdiskussion eigentlich vermeiden, damit hab ich mir schon einmal Feinde geschaffen.
Was wir also brauchen, ist die Gesamtheit als System, mit dem Faktor t, der Zeit.
Identität im Hirn
Identität ist eine Sache, die im menschlichen Gehirn entsteht. Ein Tier würde einen Berg vermutlich nicht unter einem abstrakten Eigennamen und mit derselben kulturellen Identität versehen wie wir Menschen.” Es ist schlicht "Der Ort wo es Fressen gibt". Eine Woche später mag ein ganz anderer Berg "Der Ort wo es Fressen gibt" sein. Aber der Mensch nennt den Berg Stubnerkogel, baut eine Seilbahn rauf und rutscht auf gewachsten Brettern ins Tal. Wer weiß, vielleicht sind diese Bretter ja aus umfunktionierte Schiffsplanken, aber egal jetzt.
Für das menschliche Gehirn ändert sich nichts an der Tatsache, daß es sich um das Schiff des Theseus namens Akivasha handelt, wenn ein paar Planken ausgewechselt wurden. Ja, mit dem Faktor t für Zeit kann sogar das Material desselben Schiffs komplett ersetzt werden, man kann sogar den Namen und den Zweck ändern. Und eines Tages dienen die Matrosen auf einem klingonischen Schlachtkreuzer der Negh´Var Klasse namens Kha´Less, und es ist immer noch das Schiff des Theseus.
Wichtig ist eben nur, daß die menschlichen Gehirne genug Zeit bekommen, sich an eine kleine Veränderung nach der anderen zu gewöhnen.
Das funktioniert zumindest so lange, bis ein Klingone beginnt, unangenehme Fragen zur Identität des Kreuzers zu stellen.
Daher .·.
Wenn also Philosophen sich streiten, liegt das wahrscheinlich nur an Zeitmangel.
Oder?
Mir echot gerade die (fiktive) Aussage des 2. Maats der Akivasha durchs Hirn:
"Dieser neue Schiffskoch, der kann wirklich Souflaki machen! Seit der an Bord ist... also es ist einfach nicht mehr dasselbe Schiff."
Jetzt fragt sich natürlich jedes anständige Lama was man daraus lernen kann.
Daß alles eine Frage der Perspektive ist, das wissen wir eigentlich schon.
Daß der Mensch ein Gewohnheitstier ist - eigentlich auch.
Und daß die Zeit alle Wunden heilt - auch.
Also lernen wir im Grunde... nix.