Gesucht wird: Max Mustermann
Warum mir die Personen-Suchmaschinen schön langsam gewaltig auf die Nerven gehen.
Seit der Mensch im Internet ist, hinterlässt er seine Spuren. Klar, man schreibt mal hier was hin, mal dort und mal anderswo. Und wer entweder nicht weiß, daß man im Netz ein Pseudonym verwendet, oder sich an die Richtlinien einer gewissen, ach so authentischen, Social-Network-Plattform hält und den richtigen Namen reinschreibt (ich war auch so blöd, nein, ihr seid nicht allein)...
Erstens, wer soll das kontrollieren, zweitens wen interessiert es wenn ein Schulkollege, den man vor 15 Jahren schon nicht leiden konnte plötzlich eine Einladung schickt, man solle ihn doch als Freund adden... Junge, du warst nie mein Freund und du wirst es auch nie werden *ignore*.
Und abgesehen von der Geschichte des Datenschutzes... Wo war ich eigentlich? Achso, genau, die Personensuchmaschinen.
Was die Leute über sich selbst schreiben, ist ein Kapitel für sich. Da sollte jeder darüber selber nachdenken. Und auch, ob er das unter seinem echten Namen macht oder sich vielleicht doch lieber ein Pseudonym sucht. Nicht mein Kaffee.
Aber dann gibts diese Personensuchmaschinen. Die grasen mit ihren Bots die Social Networks ab, sowie andere Suchmaschinen und bilden damit quasi einen Hybriden aus auf Namen spezialsierter Suchmaschine und Metasuchmaschine.
Schön, also ich bin ja auf jedes neue Dingsbums im Internet neugierig, und weil das so ist, habe ich mich selbst gesucht. Von mir gabs zu dem Zeitpunkt (Facebook war schon deaktiviert) ja nur noch mein hiesiges Impressum, das mittlerweise auch gelöschte Xing Profil, sowie einen Pack Unternehmenseinträge, die teils den Namen dabei hatten. Suche ich mich also selber in dieser grauenhaften Personensuchmaschine und finde tatsächlich ein Foto meiner Person. Nämlich genau das Foto aus Xing, samt dem Namen und einer Reihe Quellwebadressen. Etwa 20% von dem Zeug was dort stand, betraf auch mich selbst, ich bin ja net der Einzige der so heißt...
Die restlichen 80% betrafen irgendjemand anderen. Und genau das ist der Clue an der Sache. Wenn ich ein Foto von mir im Netz finde, samt einer Tagcloud daneben, und diese Tagcloud beinhaltet Worte wie alkohol party oder rechtsanwalt, dann kann man wohl kaum von einer erfolgreichen Suche sprechen. Correctamundo?
Auch das ist nicht das gravierendste Problem damit. Mir persönlich ist es nämlich herzlich egal, womit Hinz oder Kunz meinen Namen assoziiert. Wenn er glaubt, ich bin der extreme Partylöwe, soll er mal zu einer meiner Parties kommen (Essen und Getränke selber mitnehmen, ich bin nicht Krösus)... und den Kopfpolster nicht vergessen^^
Nein, der Punkt ist, wie viele Arbeitgeber klappern das Internet ab, auf der Suche nach den Leuten, die ihnen eine Bewerbung zugeschickt haben? Ja etliche, laut eigenen Angaben. Da kommen in Foren dann so Aussagen wie "Natürlich interessiere ich mich für die Bewerber, da sehe ich schon mal in Facebook nach oder google den Namen einfach". Ob das jetzt legitim ist oder nicht, lassen wir dahingestellt sein.
Wie gesagt, jeder ist für sein Geschreibstel im Netz selbst verantwortlich, und wer nicht an die Konsequenzen denkt... Pech.
Aber wenn dann neben dem Foto des Bewerbers ein Link zum Nutzerprofil von saufen-ohne-ende-und-morgen-blau.com erscheint... Naaa Klasse!
Wer nachdenkt und sich mit der Technik dieser Personensuche befasst, erkennt auch recht bald, daß die Einträge eigentlich nur bedingt zusammengehören. Aber wer sich nie richtig mit den Feinheiten solcher Dinge auseinandergesetzt hat, kann schon mal den Krams für bare Münze nehmen.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Eindruck, der dadurch entsteht...
Wie auch immer, über Google Analytics und das Datenschutzproblem (ich leugne es nicht, ich nutze es und mir ist es bewusst was ich tue) regen sich alle auf, weil auf irgendeinem Server in Kalifornien gespeichert ist, daß User mit der Id 1936219640 und der IP-Adresse 12.214.9.687 aus Salzburg einen Shop für Tennisbälle aufgesucht hat.
Oder daß einer mit einem Auto herumdackelt und Häuserfronten abfotografiert, ich meine wen interessiert denn das wenn Mei Ling aus Hongkong sieht, daß irgendein gelbes Haus in Radstadt blaukarierte Vorhänge hat?
Ok, so locker ist das auch wieder nicht zu sehen, ich verstehe die Aufregung ja auch. Aber jeder sammelt mehr Daten als er eigentlich haben dürfte, angefangen von der Krankenkasse bis zu irgendwelchen Staatsarchiven und Kirchenstellen.
Aber daß Max Mustermann, wohnhaft Musterhauspark 37a, samt Foto, ganz öffentlich und völlig willkürlich mit irgendwelchen unsinnigen Tags assoziiert wird, ja DA beschwert sich keiner.
