Rote Gezeiten

Rote Tiden,  Rote Gezeiten, die Rote Flut – der Schrecken der Fischersleute, ein Seemonster schlimmer als der Kraken, Charybdis oder der Leviathan selbst.

Titelfoto: Rote Flut | photo: Marufish (cc-by-sa)

Rote Gezeiten: Algenblüte

Bei uns im Binnenland steht die Algenblüte meistens in Zusammenhang mit der Überdüngung von Gewässern. Wenn im Frühling das Eis geschmolzen ist, steigen einzellige Algen oder Cyanobakterien an die Oberfläche, wo reichlich Nährstoffe und auch Sauerstoff vorhanden ist. Sie beginnen sich rasant zu vermehren und die Oberfläche des Wassers färbt sich grün, manchmal blau oder eben auch rot.

Was bei uns eher ein Ärgernis ist, weil die Schicht aus einzelligen Algen das Sonnenlicht blockiert und Wasserpflanzen sich daher nicht entwickeln können, absterben und das Wasser schlimmstenfalls kippt, kann in Meeresbuchten allerdings ganz andere Auswirkungen haben.

Karenia brevis
Karenia brevis | photo: (pd) Steidinger

Die Rote Flut

Manchmal treten in Meeresbuchten besondere Umstände auf, die die Massenvermehrung spezifischer Einzeller, oftmals Dinoflagellaten, begünstigen.

Die Gezeiten und der Wind verhindern einige Zeit lang, daß sich die Flagellaten in den Weiten der Meere zerstreuen und das Wasser der Bucht färbt sich blutrot.

Die Sache mit dem Sonnenlicht ist hier das geringere Problem, vielmehr sind die Stoffwechselprodukte dieser Einzeller hochgiftig.aa

Fische und Muscheln, Korallenriffe und alles was nicht rechtzeitig abhaut wird vergiftet. Rote Gezeiten können so ganze Buchten leblos zurücklassen.
Das Gift ist bei zu hoher Konzentration sogar für die verantwortlichen Algen selbst tödlich.

Die Auswirkungen auf den Menschen sind derer drei:

  • Wirtschaftlich (Fischerei wird unmöglich und Touristen kommen auch keine)
  • „Kleinere“ rote Gezeiten vergiften die Muschelbänke, auch ohne die Muscheln zu töten – Guten Appetit!
  • In besonders starken Fällen kann sich das starke Neurotoxin in der Luft lösen (Aerosol) und vom Wind ins Landesinnere getragen werden, wo sich dann auch bei Landsäugetieren wie dem Menschen Vergiftungserscheinungen (Tränen, Husten, Niesen) zeigen

Rote Gezeiten sind natürliche Phänomene, allerdinags ist die genaue Ursache dafür noch nicht nicht bekannt. Man hat noch nicht mal herausgefunden, inwieweit der Mensch mit dafür verantwortlich ist. Manche Rote-Gezeiten-Phänomene sind in bestimmten Regionen erst in letzter Zeit aufgetreten, während bereits die ersten Seefahrer im Golf von Mexiko (Cabeza de Vaca beispielsweise) von roten Gezeiten berichten.

Algenblüten erscheinen nicht immer rot, sie umfassen ein breites Farbspektrum zwischen Grün, Blau, Rot und sogar Pink. Häufig tritt auch gar keine Wasserverfärbung auf. Eine große Bandbreite von Spezies kann für eine Algenblüte verantwortlich sein.

Die roten Gezeiten im Golf von Mexiko tauchen fast jedes Jahr auf und werden durch Dinoflgellaten namens Karenia brevis ausgelöst.
Bei diesen sogenannten „Florida Red Tides“ bekommt das Wasser eine dunkle, braunrote Färbung und die Algendichte kann zehn Millionen Zellen pro Liter Wasser überschreiten.

Algal Bloom | photo: (cc-by-sa) Ildar Sagdejev
Algal Bloom | photo: (cc-by-sa) Ildar Sagdejev

Algen im Teich?

Gehört eigentlich nicht zum Thema, aber in den vergangenen Jahren hatten wir im Gartenteich mehrmals ein Algenproblem im späteren Frühling. Je geringer die Wassermenge, desto leichter kippt ein Gewässer, das bedeutet es fängt an zu stinken und der natürliche Kreislauf bricht zusammen. Und da so ein Gartenteich doch recht klein ist, können die Algen rasch eine Mini-Ökokrise auslösen.
Die Ratschläge diverser anderer Teichbesitzer, die Sache mit Chemikalien anzugehen, führte nur zur Vernichtung/Auswanderung diverser Kleintiere und der Teichkreislauf wurde erst recht instabil.

Die Idee war daher: Warum vermehren sich die Algen so rasant (mal abgesehen von zu vielen Nährstoffen)?
Genau.
Sonnenlicht.
Durch das Einsetzen von Wasserlinsen, die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch so lange einen Teil des Sonnenlichts abfangen bis die Seerosen so weit waren, den Job zu übernehmen – hatten die Algen keine Chance den Teich zu überrennen.

Wahrscheinlich geht das nicht überall so einfach, immerhin hat jeder Teich andere Nährstoffzusammensetzungen, aber bei uns hat’s funktioniert.
Und das nur mit einer Pflanze.

Quellen und nützliche Links