Rot in der Alchemie

Alchemie (aus dem Arabischen al-kīmiyā):
Einem philosophischen Pfade folgend, versuchte der Alchemist durch Transmutationen den Stein der Weisen zu entdecken.

Die Farbe Rot war in dem Zusammenhang sehr wichtig.

Alchemist
Alchemist (Joseph Wright)

Von den Alchemisten der mittelalterlichen Welt wissen wir im Allgemeinen, daß sie ständig auf der Suche nach dem Stein der Weisen waren. Dieser „Stein“ ist quasi ein Element, welches mindere Metalle (Blei etc.) in edles Gold verwandeln kann.

Von Paracelsus berichtet man, er habe den Teufel selbst überlistet und eingesperrt. Als er ihn wieder aus seinem Gefängnis befreite, erhielt er im Gegenzug zwei Phiolen mit goldener und silberner Flüssigkeit. Ein Tropfen des ersten Gebräus vermochte Blei in Gold zu verwandeln, ein Tropfen des zweiten Tranks heilte jede Krankheit.

Alchemist | photo: (pd) Carl Spitzweg
Alchemist | photo: (pd) Carl Spitzweg

Rot – Die Farbe der Farben

Nicht jeder Alchemist hatte allerdings die Gelegenheit, so roh mit Lutzi umspringen zu können. Für gewöhnlich war die Herstellung eines Steins der Weisen an eine Reihe äusserst komplizierte Schritte gebunden. Ein wichtiger Punkt in der ganzen Sache war die Herstellung von Quecksilbersulfid, also Zinnober, aus Quecksilber und Sulfur (Schwefel).

Während nun Schwefel gelb ist und Quecksilber naturgemäß silbern, ist Zinnober rot. Und der Schritt, in dem sich das Material rot verfärbte, wurde Rötung (Rubedo) genannt. Zinnober wurde als eine der letzten Vorstufe zum Stein der Weisen (das Magnum Opus, das große Werk) selbst betrachtet.

Das Färben von Dingen mit roter Farbe war ein lebendiger Prozess, der erstens die dem Material innewohnende Kraft zutage brachte und zweitens die Kraft der roten Farbe auf das Material selbst übertragen sollte.

Das angestrebte Endprodukt wurde auch als roter Löwe bezeichnet, oder als großes, rotes Wasser.

Zinnober auf Dolomit
Zinnober auf Dolomit (cc-by-sa) JJ Harrison

Alchemie und Wissenschaft

Die Herstellung des Steins der Weisen war unterteilt in eine Vielzahl komplizierter, teilweise magischer Schritte. Der Stein der Weisen wurde anscheinend niemals entdeckt und diejenigen Alchemisten, die behaupteten, tatsächlich Blei in Gold verwandeln zu können, endeten zumeist entweder als reicher Betrüger auf der Flucht, oder durch das Beil des Henkers.

Doch die Suche nach dem roten Löwen, ob nun mit mystischer Absicht oder bodenständiger Forschungsarbeit als Alchemist, brachte viele Errungenschaften mit sich. Beispielsweise wurde Phosphor entdeckt und Schwarzpulver wiederentdeckt (die Araber und Chinesen waren uns wissenschaftlich zu jener Zeit weit voraus). Eine weitere Entdeckung auf der Suche nach dem Stein der Weisen in Europa war das Porzellan, das rasch seinen Siegeszug als Tafelservice antrat. Wenn ich mich jetzt richtig erinnere, wurde Porzellan auch als „weißes Gold“ bezeichnet.

Feuer in der Nacht
Feuer in der Nacht

Die Suche nach dem Stein der Weisen

Die Alchemisten jener Zeit mystifizierten viele Schritte in einer Mischung aus Magie und Wissenschaft. Außerdem wurde nicht nur der Name „Alchemie“ aus dem im Mittelalter weiter fortgeschrittenen, arabischen Raum angenommen, sondern es fanden viele Alchemisten auch die orientalische Philosophie sehr reizvoll.

Da brauchen wir uns also nicht zu wundern, wenn nebst allerlei interessanten Nebenprodukten der Alchemie auch eine eigene Philosophie entstand, welche die Suche nach dem Stein der Weisen als Analogie auf den eigenen Lebensweg verstand, die schrittweise Annäherung an einen erleuchteten, perfekten Zustand.

-> Was die Wikipedia über Alchemie zu sagen hat.