Rotwelsch

Wenn ich schon über die Kiberer, die Cyborgs und Rotwelsch schreibe, dann will ich dem gleich etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

Was war/ist also Rotwelsch?

Rotwelsch war im Mittelalter und darüberhinaus die "Geheimsprache" der Banditen, aber auch der Händler, Krämer, Bettler und aller einfachen Leute.

Allerdings, von Rotwelsch als einer eigenen Sprache zu sprechen ist nicht ganz korrekt. Wir könnten sagen, es handelt sich um eine Art des Umgangs mit der Sprache. Je nach Region wurden ganz verschiedene Ausdrücke ins Rotwelsch aufgenommen. Durch den Einfluss der Händler und Krämer wanderten etliche jiddische Worte in die Sprache ein, ebenso wie fremdländische Ausdrücke durch Handelsreisende, Studenten und das fahrende Volk importiert wurden.

Aber fangen wir am Anfang an. Rot waren alle, die etwas vor der öffentlichen Ordnung zu verbergen hatten. Es stammt aus dem Rotwelschen selber und wird mit Bettlern in Verbindung gebracht, was sich einerseits von der Rotte (Bande, Gruppe) ableiten soll, andererseits von rot für faul und dreckig aus dem Mittelniederländischen.
Und Welsch steht für die im Mittelalter größtenteils unverständlichen, romanischen Sprachen wie Italienisch und Französisch. Wenn jemand irgendeine Mischung von Sprachen benutzt, nennen wir es ja auch Kauderwelsch.

Über das Rotwelsch haben etliche Worte, teils aus dem Jiddischen, teils aus dem Romani oder anderen Sprachen den Weg in unsere Alltagssprache gefunden. Das Jenische als Sprache der Fahrenden ist auch immer wieder dabei. Zwar trennen Linguistiker gerne die Sprachen, aber im täglichen Umgang verschmilzt es wieder.

Wenn ich beispielsweise Kohldampf habe, habe ich Bock auf etwas zu spachteln, aber da ich blank bin, werde ich wohl schnorren müssen, um was für Lau zu bekommen.
Außerdem fetzt es ordentlich, wenn wir die Bullen verkohlen, aber wenn dich die Kiberer erwischen fackeln die nicht lange, dann kommst in den Knast oder ins Kittchen, und dann bist ganz schnell im Eimer.
Aber der ausgebuffte Macker quasselt nicht viel mit dem alten Krauterer, wenn er in der Kneipe seinen Fusel trinkt.

Ich denke, das hat jetzt jeder verstanden, ob wohl so viele Worte dabei waren, die eigentlich nicht wirklich deutsch sind. Aber der Unterschied zu einer toten Sprache ist eben - Sprachen entwickeln sich, sie leben und verändern sich durch viele äußere Einflüsse.

Das Interessante daran, wir können es eben heute wieder sehr gut beobachten, wie durch das Internet eigentlich fremdsprachige Ausdrücke nahtlos in die Umgangssprache eingegliedert werden.

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