Geister- und Farbenkunde in China

Geister- & Farbenkunde in China: Farbenlehre, Volksglaube und Spukhäuser sind ein integraler Bestandteil chinesischer Kultur.

Rot in Asien
Rot in Asien

Gestern haben wir uns über Farben unterhalten, eines meiner Lieblingsthemen. Die Ausbeute war allerdings eher unbefriedigend, auch wenn ich ein paar interessante Infos sammeln konnte. Hier sei natürlich angemerkt, dass China groß ist und kulturelle Angelegenheiten wie Farbmythen etc. in jedem Eck anders sein können.

Windräder in Shenzhen
Windräder in Shenzhen

Hier befinden wir uns aber in der Provinz Guangdong und meine Gesprächspartnerin ist ebenfalls Guangdongerin. Also, etliche Gschichtln von denen ich gehört habe, sind ausgesponnener Unsinn. Darunter sogar eine meiner Lieblingsgeschichten über McDoof, davon hat sie noch nie etwas gehört. Und tatsächlich, ich habe bereits Werbeplakate mit diesem scheusslichen Clown gesehen.

Kurz die Geschichte: Weiß ist die Farbe des Todes und ein weißes Gesicht symbolisiert einen Totengeist. Ronald McDonald ist daher beileibe nicht der lustige Geselle für den ihn seine Macher gerne verkaufen würden. Damit wurden die Startschwierigkeiten der Firma in Asien erklärt.

Der Grund, warum keiner zu McDoof geht, ist eher der Preis. Zwar etwas billiger als bei uns, aber für chinesische Verhältnisse trotzdem noch völlig überzogen.

onald McDonald and bored kid in China | photo: (cc-by) Dave Fischoff
Donald McRonald in China | photo: (cc-by) Dave Fischoff

Das Märchen, es gäbe im Chinesischen keine Unterscheidung zwischen Grün und Blau – haben wir ja bereits vor anderthalb Jahren widerlegt.

Das kommt übrigens aus dem Vietnamesischen, wo sowohl grün als auch blau „xanh“ sind, trotzdem aber in xanh lá cây (grün) und xanh lơ (blau) unterteilt werden.

Rote Brücke im Japanischen Garten in Shenzhen
Rote Brücke im Japanischen Garten in Shenzhen

Fakt ist allerdings, dass Rot mit Abstand die beliebteste Farbe in China ist. Denn es ist die stärkste und wohlwollendste aller Farben.

De Facto wird 红色 (hongse) auch gerne als Glücksfarbe übersetzt. Die besten Dinge in China sind rot, beispielsweise der 红包 hongbao, der rote Umschlag, in dem zu besonderen Anlässen kleine Geldgeschenke vergeben werden. Mehr zum 红包 gibts hier: Das Rote Couvert. Brautkleider sind traditionell rot, auch wenn viele Mädels mittlerweile in westlicher Tradition in Weiß heiraten wollen.

Das ist oft ein gewaltiger Generationenkonflikt, denn für die traditionsbewusste und stellenweise ziemlich abergläubische ältere Generation ist weisses Gewand was für die Toten und die Geister. Eine Hochzeit mit einem so schlechten Omen zu feiern ist ganzganz fürchterlich und geht garnicht.

Miao Kulturshow
Miao Kulturshow

Der Glücksfaktor der Farbe Rot in China ist ja gar nicht so weit weg von der ursprünglichen Bedeutung von Rot bei uns. Rot schützt nämlich vor bösen Geistern, wie man in einem meiner alten Artikel nachlesen kann (oder könnte, nur wie gesagt, das Farbenspiel ist momentan vom Netz).

Und im Gegensatz zu Europa, wo man schon gewaltig in den alten Mythen und Traditionen herumwühlen muss, weiß um die Farbenkunde in China jedes Kind.

Es gibt nämlich vier Plätze in Shenzhen, wo es spukt. Und da eine moderne Stadtverwaltung keine herumstreundenden Geister dulden kann, wurden die Orte den Gespenstern gehörig versalzen. Beispielsweise gibts einen Ort, an dem es einen alten Friedhof gegeben haben soll, der nicht mehr so wirklich friedlich war. Daher wurde direkt darüber eine Schule hingebaut. Denn nur die Lebensenergie von Heranwachsenden ist stark genug, die ruhelosen Geister zu bezwingen.

 

Die roten, bzw. rosaroten vier Häuser im Zentrum des Bildes sollen ebenfalls von Geistern heimgesucht worden sein. Um den Bewohnern Ungemach zu ersparen, wurden sie schlicht rot gestrichen.

Wie auch immer, Rot ist also die Glücksfarbe. Trotzdem hab ich heute den Verkehr beobachtet und bis auf die Taxis nur ein einziges rotes Auto gesehen. Das Gros der Privatfahrzeuge findet sich auf der langweiligen Skala der unbunten Farben. (Ja, hier und da gibts schon rote Autos, aber sehr wenige in Shenzhen.)

Altstadt von Chongqing
Altstadt von Chongqing

Nächstes Jahr ist übrigens das Jahr des Pferdes (nach den chinesischen Tierkreiszeichen). Da mein Sternzeichen ebenfalls Pferd ist, ist das ein schlechtes Jahr für mich (sagt meine Gesprächspartnerin). Ich könne die negativen Vibes allerdings ganz einfach ablenken, indem ich das ganze Jahr über rote Unterwäsche trüge. Ähm… ok.

Weiß und Schwarz sind nach der chinesischen Farbenkunde die Farben des Todes, insbesonders wenn sie gemeinsam auftreten. Das ist auch der Grund, warum das neue Hotel Sheraton in Shenzhen bei einigen Leuten für Furore gesorgt hat. Ich mach euch demnächst ein Bild davon, dann seht ihr wieso.
Und hier ist es auch schon, schwarz, weiss und pompös:

Sheraton Shenzhen
Sheraton Shenzhen

Schwarz allein ist übrigens böse.
Als einer, der ausschließlich schwarze Klamotten hat, bin ich… naja, das kennen wir ja eh von zhaus, gö?
黑社会, die schwarze Gesellschaft, das ist die hiesige Bezeichnung für Gangster und Mafiosi.

Ein Typ, der in eher aufdringlicher Art und Weise hinter den Frauen her ist (also auf der Skala von starren bis grapschen), hat eine Bezeichnung die sich in etwa mit „Bunter Wolf“ übersetzen lässt. Gibts im Deutschen überhaupt einen Namen dafür?

Ein paar Dinge sind noch bemerkenswert, obwohl ich das Meiste da schon vor Jahren abgedeckt habe. Gelb und Gold (Gold ist tatsächlich hier, ebenso wie Silber als Farbe anerkannt) also Gelb und Gold waren dazumals des Kaisers, und des Kaisers alleine. Silber und Grau stehen für Geld. Wenn einer ein „graues Einkommen“ hat, verdient er schön viel Zaster.
Die Farbe Silber ist übrigens yinse, 银色 und yinhang 银行 bedeutet Bank.

Grün ist genauso wie bei uns die Farbe der Fruchtbarkeit und des Lebens, allerdings sollte man niemals einem Mann einen grünen Hut schenken. (Ich meine, wer verschenkt schon einen grünen Hut, aber lustig allemal) Denn wenn eine Chinesin ihrem Mann „einen grünen Hut aufsetzt“ ist das dasselbe, wie wenn eine Österreicherin ihrem Mann Hörner aufsetzt. Nur halt ein paar tausend Kilometer weiter weg.

Die Aussage „Schau her, ich verpasse dir ein bisschen Farbe um die Augen!“ ist das Äquivalent zu unserem „(Oida!) I posch da ane! (Oida!), Kriagst a blaus Guck! (Oida!)“.

Und zuguterletzt gibts noch „gelbe“ DvDs, gelbe Zeitschriften und Bücher. Da Pornographie in China illegal ist, wirds mehr der weniger schwarzmarktmäßig unter der Hand angeboten, man solle  also vorsichtig sein, wenn einem irgendeine zwielichtige Gestalt irgendwas „gelbes“ anbieten will.