Der Cyborg und die Kiberer

Was hat ein aufgemotzter Mensch, also ein Cyborg, mit einem Kiberer zu tun? Ja ne bitte, das ist keine Schmähung der Polizei (Deifi bewahr, sonst werd‘ ich noch eingekastelt!), sondern nur eine kleine, kreisförmige, etymologische Reise ins Wiener Rotwelsch und die Herkunft des Wortes Kiberer.

Titelbild: Cyborg and Hawkgirl at San Diego Comic Con (cc-by) Christopher Brown

Wirt: „Was ist eigentlich mit dem Herbert passiert, der schuldet mir noch die Zech von an Monat.“
Gast: „Ja hast das nicht mitgekriegt? Den haben die Kiberer dawischt und eingsperrt.“

(Mittlerweile hat der Herbert ja eine Weihnachtsamnestie gekriegt.)

Ansatz 1: Der Kiberer

Also, das Wort Kiberer ist ein österreichischer Ausdruck für den/die Polizisten und kommt aus der Wiener Variante des Rotwelsch (Gaunersprache). Und Rotwelsch seinerseits ist ja eine Mischung aus allen möglichen Sprachen, quasi das Esperanto der Desperados.

Wenn wir also den Etymologen glauben wollen, leitet sich Kiberer vom altgriechischen Wort kybernétos ab, und das ist der Steuermann.
Während der Kybernétos bei Homer noch die Schiffe steuert, steuert er bei Platon bereits Staatsangelegenheiten.

Demnach ist der Kiberer also sowas wie ein Mann des Staates. Und wie bereits Korporal Karotte erkannt hat, leitet sich das Wort Polizist vom ebenfalls altgriechischen Wort Polis ab, was Stadt bedeutet. Und da bei den alten Griechen Stadt und Staat das gleiche waren, bedeutet also auch Polizist und Kiberer dasselbe: Eine Person der Stadt/des Staates.

Österreichische Bundespolizei | photo: (cc-by-sa) Böhringer
Österreichische Bundespolizei | photo: (cc-by-sa) Böhringer

Ansatz 2: Der Cyborg

Sie werden assimiliert. Widerstand ist zwecklos. Oh nein, die Borg kommen, bzw. die Cyborgs.

Unicomplex der Borg (c) Star Trek
Unicomplex der Borg (c) Star Trek

Kybernetik, die „Kunst des Steuerns“ ist set etwa 1940 ein Wissensgebiet, beziehungsweise die Schnittstelle verschiedener Wissensgebiete, die sich einfach mit Steuerung befassen. Eigentlich nicht nötig zu erwähnen, daß sich die Kybernetik im Deutschen von cybernetics im Englischen von kybernétos im Altgriechischen ableitet. Steuermann.

Neben ganz banalen Mechanismen wie Thermostaten bei Heizungen oder Wegfindung von Robotern, gibts auch kybernetische Richtungen die uns kalte Schauer über den Rücken laufen lassen. Unter Anderem die Steuerung von lebenden Wesen durch Implantate, die, ich schätze mal durch elektrische Spannung oder sowas Gehirnimpulse vortäuschen können.

Die Vorstellung von ferngesteuerten Menschen fand natürlich rasch Eingang in die Science-Fiction und Fantasyliteratur. Und bald waren Cyborgs sowas wie Mischungen aus Mensch und Maschine, beziehungsweise Menschen, die mit Implantaten aufgemotzt wurden.

 

Ansatz 3: Cyber-Age

Ein weiteres Teilgebiet der Kybernetik setzt sich mit dem Steuern bzw. der Kontrolle der Gesellschaft auseinander. Eine Notwendigkeit in dicht bevölkerten Gebieten. Grundsätzlich gehts dabei wohl darum, wie man das Volk (also uns) durch Fernsehen und ähnliche tolle Erfindungen so weit verdummen kann, daß sie leichter kontrollierbar werden. Naja, das und auch viel banalere und alltäglichere Dinge wie beispielsweise Werbedesign, das ja auch bestimmte Reaktionen auslösen soll.

Wie weit das Fernsehen im Zeitalter der Smartphone Zombies noch Anteil am Entbildungsauftrag hat, lassen wir einmal dahingestellt sein.

Aber auch hier kamen die Visionen von Science-Fiction Autoren dazu, die als Schauplatz der Geschichten eine düstere Zukunft wählen, wo die Welt derart überbevölkert ist, daß der Staat durch ein immenses Polizeiaufgebot versucht, die Kontrolle zu behalten. Diese düstere Zukunft zeichnet sich auch durch starke Überwachung aus, beispielsweise das Anzapfen von Telefonleitungen und Internetanschlüssen, oder Kameras, die an öffentlichen Plätzen install…
Ähm, Moment mal. Sagte ich vorhin Sci-Fi?

Wie auch immer. Auf jeden Fall wird in den Dystopien des Cyberage wird versucht, die Gesellschaft mit Hilfe der Exekutive zu steuern.
Was uns wieder zum Kiberer zurückbringt, unserem Steuermann. Deshalb auch „kreisförmige, etymologische Reise“.